So groß war das Interesse an der Sitzung des Gemeinderates von Emersacker, dass die Besucherinnen und Besucher kaum Platz im Sitzungssaal fanden. Grund hierfür war wieder einmal das umstrittene Thema Windkraft.
Zur Erinnerung: Bereits im September des Vorjahres hatte der Gemeinderat das gemeindliche Einvernehmen zur Errichtung von Windenergieanlagen verweigert, da zahlreiche Punkte des Antrages noch unklar waren.
Zu Beginn der Sitzung erläuterte Bürgermeister Karl-Heinz Mengele nochmals, dass die immissionsschutzrechtliche Genehmigung ausschließliche beim Landratsamt liege. Aufgabe des Gemeinderates sei es, im Rahmen des gemeindlichen Einvernehmens die bauplanungsrechtlichen Belange der Gemeinde zu beurteilen.
Die wesentlichen Kritikpunkte der Gemeinde wie die Lage und Größe der Stell- und Kranflächen, die Fragen des Brandschutzes, Erschließung der Flächen über Waldwege seien inzwischen ausgeräumt, rechtlich geprüft und mit zahlreichen Nachbesserungen und Ergänzungen versehen.
Aus Sicht des Landratsamtes gebe es keine bauplanrechtlichen Einwände mehr, eine Genehmigung zu verweigern, wodurch der Gemeinde keine tragfähigen Gründe für eine erneute Ablehnung des Einvernehmens zur Verfügung stünden.
Florian Bichler von Windkraft Schwaben stellte sich im Anschluss den Fragen des Rates und informierte die Anwesenden über verschiedene Maßnahmen, die unternommen worden waren, um die Bedenken auszuräumen. Klar unterstrich er, dass im Bereich „Mühlbügel“ im Westen der Gemeinde keine weiteren Anlagen geplant seien, das gleiche gelte bis auf weiteres für den Bereich „Stettener Kreuz“ im Norden der Gemeinde, angrenzend an die Gemeinde Laugna.
In den Wortbeiträgen der Rätinnen und Räte kamen dann die verschiedenen Meinungen zur Windkraft zum Ausdruck, wobei auch immer wieder von „Umzingelung“ durch Windkraftanlagen (WKA) die Rede war, die der Regionalplan Windkraft zum Ausdruck gebracht hat.
Letztlich ergriff dann Bürgermeister Karl-Heinz Mengele das Wort und machte nochmals den Unterschied zwischen dem Regionalplan, der drei Bereiche rund um Emersacker mit Windkraft vorgesehen hat, und dem jetzt diskutierten Antrag auf die Errichtung von vier WKA aufmerksam. Der anstehende Beschluss beziehe sich nur auf die vier WKA und sei vom Regionalplan klar zu trennen. Auch betonte er die Bedeutung der Vorrangflächen, welche die Gemeinde ausgewiesen und so einem „Wildwuchs“ vorgebeugt hatte.
„Die vier Anlagen in Emersacker sorgen dafür, dass am Stettener Kreuz vorerst keine weiteren Anlagen entstehen. Auch das gehört zur Wahrheit“, war der Appell Mengeles an den Rat, aber auch an die zahlreichen Zuhörer. Die Einstellung „Ich will es nicht“ sei keine Begründung für die Genehmigungsbehörde.
„Wir stimmen heute ab über vier WKA in Emersacker und nicht am Stettener Kreuz“, appellierte Mengele an das Gremium, den in seinen Augen verbesserungsbedürftigen Regionalplan nicht mit der örtlichen Maßnahme zu vermengen.
Mengele unterstrich nochmals deutlich, dass die Gemeinde nicht gegen Windkraft eingestellt sei, aber eine mögliche Umsetzung des Regionalplanes eine faktische „Umzingelung“ der Gemeinde bedeuten würde, die so nicht wünschenswert sei.
Auch hob er hervor, dass die Gemeinde von übergeordneten Behörden über die Jahre hinweg praktisch keine Unterstützung in dieser Sache erhalten habe. Einzig Landrat Martin Sailer habe sich hier als löbliche Ausnahme erwiesen. Diese fehlende Unterstützung sei auch Grund für seine kritische Haltung in der anstehenden Abstimmung.
Die anschließende Abstimmung nach zum Teil kontroverser Diskussion fiel sehr knapp aus und erteilte mit sieben zu sechs Stimmen das gemeindliche Einvernehmen.
Unabhängig von der Entscheidung jedes Einzelnen, stellte Bürgermeister Mengele nach der Abstimmung fest, gelte es, das Votum jedes Einzelnen zu respektieren. Man müsse weiterhin gemeinsam alles Mögliche unternehmen, um eine drohende Umzingelung, wie im Regionalplan ausgewiesen, zu vermeiden. Ein Gegeneinander bringe die Gemeinde nicht weiter.
Damit ist das Verfahren aber noch nicht abgeschlossen, da die endgültige Entscheidung in der Sache beim Landratsamt liegt.
Text: Hr. Aumann Berichterstatter der Augsburger Allgemeine
in der Gemeinderatsitzung vom 18. Juni 2026